Der Trieb von Bagdad

s war einmal ein reicher, mächtiger Kalif, der nannte 40 mal 40 der anmutigsten Frauen des ganzen Morgenlandes sein eigen, und eine jede von ihnen war schöner als die andere. Jeden Abend, den der Prophet werden ließ, schickte deswegen der Kalif einen seiner Diener in seinen Harem und trug ihm auf, eine der Frauen zu holen. Wenn sie kamen, trugen sie die erlesenste durchsichtige Reizwäsche und Intimschmuck aus kostbarstem Geschmeide. Der Palast des Kalifen roch nach Spezereien und fernen Gewürzen, und es dauerte nie lange, bis er mit der jeweiligen Schönen Platz nahm, um Speis und Trank mit ihr zu teilen. Dann befahl er ihr, vor ihm zu tanzen, und zerrte sie nach einer Weile in seine Koje, die mit dicken Kissen ausgelegt und mit feinster Seide aus dem fernen China ausgeschlagen war. Dort pimperte er sie jedesmal nach Strich und Faden durch, bis sie nicht mehr ‚piep‘ sagen konnte, und ließ erst dann von ihr ab, wenn einer seiner Diener eine neue Wasserpfeife brachte und sie ihm anzündete.

Aber trotz aller seiner Vergnügungen und all seiner Schätze war der Kalif nicht glücklich. Mehr und mehr langweilte er sich, mehr und mehr kam ihm einer der kostbaren Tresore, in denen er sich jeden Abend austobte, wie der andere vor, und auch alle Versuche seiner Umgebung, ihn aufzuheitern, schlugen fehl. Die Laune des Kalifen wurde von Tag zu Tag beschissener, ja, es hätte nicht viel gefehlt, und er hätte die ersten seiner Eunuchen, an denen er eine Zeitlang ersatzweise seine Freude gefunden hatte, hinrichten lassen.

Doch eines Tages drang die Kunde von einem neuen Kreuzritterheer in den Palast, und mit raunenden Stimmen erzählte man sich in der Umgebung des Kalifen von einer wunderschönen Ritterin, die dort Dienst tat und schöner war als alle Frauen, die das Morgenland je zuvor gesehen hatte. Als der Kalif diese Kunde vernahm, rief er seinen Groß-Wesir zu sich und befahl ihm, die schöne Ritterin herbeizuschaffen, koste es, was es wolle. Sieben mal sieben Tage bestürmte der Groß-Wesir mit dem Heer des Kalifen das Feldlager der Kreuzritter, ehe es ihm nach einer langen und blutigen Schlacht gelang, das Banner seines Herrn direkt neben der Kantine in den Boden zu rammen.

Als die schöne Ritterin zu dem Kalifen gebracht wurde, wehrte sie sich so heftig, daß man ihr das Visier mit Gewalt hochklappen mußte. Aus ihren Augen blitzte edles Feuer.

‚Sagt an, mein schönes Kind, wo kommt Ihr her und wie ist Euer Name?‘ fragte der Kalif. ‚Das geht dich einen Scheißdreck an, du alter Araberarsch‘, entgegnete die schöne Ritterin stolz und stampfte mit dem Fuß auf, ‚warte nur, bis mein Vater kommt. Ein d‘ Arc hat bis jetzt noch jeden mores gelehrt!‘

‚So seid Ihr eine d‘ Arc?‘ fragte der Kalif ungläubig.

‚Worauf du einen lassen kannst, du fetter Turbandödel!‘ fauchte ihn die schöne Ritterin trotzig an, ‚ich bin Jeanne, wenn du‘s genau wissen willst!‘

Da fuhr Freude über das Gesicht des Kalifen, seine Miene hellte sich mit einem Schlage auf, und er befahl dem Gesinde, ihn mit der schönen Ritterin allein zu lassen. Als die Diener und die anderen Angestellten den Saal verlassen hatten und nur noch die Schweizergarde vor der Tür Wache schob, sprach der Kalif zu der schönen Ritterin: ‚Wenn du wirklich Jeanne d‘ Arc bist, so mußt du mir helfen. Ich habe schon viel von dir und deinen Zauberkräften gehört, und du bist die einzige, die mir noch helfen kann.‘

‚Was is‘ ’n dein Problem?‘ fragte die schöne Ritterin mürrisch.

‚Es erfüllt mich mit Scham, es hier vor dir einzugestehen‘, erwiderte der Kalif, ‚aber mit meiner Manneskraft ist es nicht mehr allzuweit her.‘

‚Na, wenn das alles ist‘, sagte da die schöne Ritterin und lachte silberhell auf, ‚das werden wir gleich haben. Mach‘ dich schon mal frei, ich komme gleich‘.

Der Kalif tat, wie ihm geheißen, und während er seine Pluderhosen fein säuberlich zusammenfaltete und über den Stuhl unter der Wunderlampe legte, nahm die schöne Ritterin ihren Helm ab und schleuderte ihn laut scheppernd in die Ecke mit den 40 Räubern, die darob sehr erfreut waren und mit ihrem neuen Fußball gleich nach draußen stürmten. Dann ließ sie ihr Kettenhemd auf den Marmorboden rasseln, wickelte sich behend aus dem langen und dicken Linnen, das ihr als Body diente, und sprach zu dem Kalifen: ‚So, mein Alterchen, nun leg‘ dich mal da hin, und daß du mir ja die Finger von dir läßt. Die Sache werd‘ ich jetzt mal in die Hand nehmen!‘ Sprach‘s und tat es auch sogleich.

Der Kalif war ihr nur zu gern zu Willen, hatte er doch schon oft in der halbamtlichen Kairoer Tageszeitung ,Al Achram‘, die er täglich mit dem fliegenden Teppich per Luftpost bekam, von den Liebeskünsten der kleinen Französinnen gelesen. ‚Sag‘ an, Kalif, dein Schwert ist stumpf?‘ höhnte die nackte Ritterin, als sie sich neben ihn setzte, ‚dann wollen wir mal sehen‘. Mit diesen Worten nahm sie das Stummelchen in beide Hände und drückte und preßte und knetete es, daß es seine Freude hatte, und neigte dann ihr schönes Haupt herunter.

Und siehe, es war wohlgetan, denn die Wirkung ließ sintemalen nicht auf sich warten, und der Kalif schaute ungläubig: Da, wo vor kurzem noch ein schlaffes Nichts sinnlos in die Welt gestiert hatte, erhob nun eine stolze Palme ihr Haupt in die Höhe. Die nackte Ritterin packte sie, versteckte sie tief in sich und bürstete den überglücklichen Kalifen, daß es nur so seine Lust hatte. Danach drehte sie ihn um, schob sich unter ihn und trug ihm auf, es ihr zu besorgen, so hart er nur könne; es solle sein Schaden gewißlich nicht sein. Der Kalif tat, wie ihm geheißen, und obwohl er weiß Gott eher ein Stümper als ein begnadeter Stecher war, hatte die nackte Ritterin so lange Geduld mit ihm, bis auch er unter Ächzen, Japsen und asthmatischen Husten-Anfällen nach einer halben Stunde endlich fertig wurde, zumal sie in der Zwischenzeit schon viermal unter beherzten Schreien gekommen war.

Der Kalif sah sie glücklich und mit debilem Grinsen an. ‚Das werde ich dir mein Lebtag nicht vergessen‘, stammelte er immer und immer wieder, ‚gleich morgen früh soll Hochzeit sein, und mein halbes Reich schenk‘ ich dir obendrein‘.

,Ach, mach‘ mal halblang, Alterchen‘, sagte da die nackte Ritterin träge, ‚ich muß jetzt erst mal ins Bett, denn ich habe einen schweren Tag hinter mir. Morgen machen wir dann weiter, Lektion zwei – Bums von hinten – ist angesagt‘.“

Der alte Mann ließ das große Buch auf seine Knie sinken und sah über den Rand seiner Brille, die ihm auf die Nase gerutscht war, in die Runde. Die Nachbarskinder saßen im Halbkreis vor ihm auf dem Boden und onanierten, was die kleinen Patscherchen hergaben. Der Mann ließ seine gütigen Augen lange und in Gedanken versunken auf ihnen ruhen. Besonders der kleine Olaf aus dem Gartenhaus war mit Inbrunst bei der Sache. „Los, Jungs, wer zuerst schießt, hat gewonnen“, feuerte er seine Kameraden an und erhöhte selbst die Schlagzahl um weitere sieben pro Sekunde.

Die fünf kleinen Jungs kamen in kurzen Abständen hintereinander. Einer nach dem anderen schleuderten sie ihr von den Unbilden dieser Welt noch unbelastetes Sperma auf die billige Auslegware in der Einzimmerwohnung des Rentners. Als sie wieder zu Puste gekommen waren, sahen sie sich gegenseitig unschlüssig an. „Un‘ nu‘?“ fragte einer.

„Weiß auch nich‘“, sagte Olaf und zog die Stirn in Falten, „mal ’n kurzes Brainstorming einlegen.“

„Hat euch denn das Märchen gefallen?“ fragte der alte Mann, „wollt ihr noch eins hören?“

„Halt‘s Maul, Opa, du nervst“, sagte Olaf. Dann wandte er sich wieder an seine Kumpels: „Jungs, ich hab‘s! Wir geh‘n zu mir und hacken uns in die Europäische Zentralbank ein. So langsam kann ich diesen ewigen Scheiß mit Rittern, Prinzen und Kalifen wirklich nicht mehr hören!“

(1983)

   
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