Jörg Alisch

ach vier Jahrzehnten als Journalist habe ich – Jahrgang 1947 und lokal wie mental Berliner – noch immer0 eine Leidenschaft: Sprache und das Umgehen mit ihr, was sich neben den inzwischen zahllosen Artikeln meines Berufs immer wieder auch auf anderen Ebenen niedergeschlagen hat. Eine Auswahl dessen, was davon jenseits der eher subjektiven Selbstbespiegelung unter Umständen auch vor objektiven Augen Bestand haben könnte, möchte ich mit und auf dieser Seite vorstellen. Auf Wunsch wird jeder Text auch in einer Word-Druck-Version zugeschickt.

 

Die „Portraits in Jazz“ als Auswahl von insgesamt rund 50 über Musiker, mit denen ich groß geworden bin und die mir am Herzen liegen, sind von Sommer 1996 bis Frühjahr 1999 neben meiner eigentlichen Arbeit als jeweils zweistündige Sendungen im Berliner Jazzradio gelaufen. Naturgemäß tauchen daher bestimmte Gedankengänge, Sehweisen und übergreifende Perspektiven, wenn sie für den jeweiligen musikalischen Kontext bedeutsam sind, insgesamt ebenso mehrfach auf wie die namentliche Erwähnung benutzter Quellen (beispielsweise Arrigo Polillos „Jazz – Geschichte und Persönlichkeiten der afroamerikanischen Musik“) in vollem Umfang, was andererseits den Vorteil hat, daß man jedes einzelne Porträt für sich lesen kann und für das Verständnis kein Gesamtzusammenhang vonnöten ist. Gedacht sind die Porträts weniger für die Gemeinde, die eh schon alles weiß, sondern für interessierte Laien und Liebhaber. Heißt: Ich habe zwar bewußt auf Insider-Aspekte verzichtet, andererseits jedoch ein gewisses Grund-Wissen vorausgesetzt, wobei die ausgewählte Discographie am Ende jedes Portraits insbesondere Einsteigern die Übersicht im Dschungel der Tonträger erleichtern soll. Daß bei der Auswahl logischerweise die großen Namen von Stan Getz über Bud Powell und Dave Brubeck bis hin zu John Coltrane und Miles Davis dominieren, liegt auf der Hand, jedoch steht daneben von Gene Ammons über Stanley Turrentine bis hin zu Eddie „Lockjaw“ Davis auch eine Reihe von Musikern, die zwar kaum je über den „inner circle“ hinaus populär geworden sind, sich nichtsdestoweniger jedoch mit ihrer Musik auf immer in nicht nur dem einen oder anderen Ohr festgespielt haben. Als weiterführende Links sind zu empfehlen:

Für Informationen zum Jazz generell:
Im deutschsprachigen Bereich die JazzPages, die im Übrigen die „Portraits in Jazz“ unter der Rubrik „Texte“ freundlicherweise übernommen haben, sowie die Jazz Zeitung und für den englischsprachigen Raum Down Beat.

Für einen Blick nebenher:
Die Seite des Grafikers und Malers Ryan Lee, der mit Eric Dolphy, John Coltrane und Miles Davis drei einfühlsame Porträts zu Leinwand gebracht hat, von denen zu hoffen ist, daß diese ersten drei nicht zugleich auch die letzten bleiben werden.

 

Die Kurzgeschichten sind zumeist spontan und inspiriert durch die unterschiedlichsten Anlässe entstanden. An ein paar Stellen wird eingeräumtermaßen mit Vergnügen geschweinigelt, ohne daß dabei die0 Grenze zur Pornographie jemals überschritten wird. Sozusagen „Ziehkind“ der 68er mit ihrer liberalisierten Moral, habe ich durch Imagination verfremdete Beobachtungen festgehalten, von denen ich denke, daß sie in ihrer Atmosphäre nicht nur subjektiver Natur sind, sondern auf eine bestimmte Weise Erfahrungen einer ganzen Generation. Da, wo dennoch die Phantasie mit mir durchgegangen ist, habe ich, um jeglichem Eventual-Ärger aus dem Wege zu gehen, die Fassungen entschärft (erkennbar an einem Stern in den Überschriften – bei Interesse bin ich gern bereit, auch die Original-Versionen als Word-Dokument zu mailen oder notfalls auch in ausgedruckter Form zuzuschicken). Und im Übrigen: Wen‘s stört, der braucht‘s ja nicht zu lesen, n‘ est-ce pas?

 

Die Übersetzungen einiger der schönsten von Théophile Gautiers „Phantastischen Erzählungen“ (mein Dank gilt dem Düsseldorfer Verleger Georg Aehling, der sie in seiner Edition „XIM Virgines“ als Buch herausgebracht hat) sind eine Wieder-, wenn nicht gar Entdeckung für den deutschsprachigen Raum überhaupt. Ende der 80er Jahre durch die DDR-TV-Serie „Erotisches zur Nacht“ eher zufällig über die filmische (und für diesen Zweck handfest umgebogene) Adaption von „Omphale“ gestolpert, habe ich in der Folge und sukzessive von Novellen und Erzählungen über „Émaux et camées“ bis hin zu „Mademoiselle de Maupin“ nahezu das gesamte Werk des Montparnassiens aus Pariser Antiquariaten nach Berlin geschleppt und in so langen wie erfüllten Nächten in mich reingefressen. In Frankreich Klassiker, bei uns allenfalls Literatur-Fexen und dem von der Spaßgesellschaft leider immer weiter an den Rand gedrängten Bildungsbürgertum bekannt, können sich beispielsweise die „Morte amoureuse“, der tanzende Mumienfuß oder eben auch „Omphale“ mit ihren geheimnisvoll-unheimlich raschelnden Vorhängen, ihren knackenden Täfelungen, ihren zwischen Tag und Traum spukenden Schemen und ihren von den Wänden herabsteigenden Bildern trotz ihres eher romantischen und dadurch weniger bedrohlichen Blickwinkels durchaus etwa mit Poes „Ligeia“, „Morella“ oder „Berenice“ mindestens messen. Mir zumindest haben die Lektüre selbst wie auch die Übersetzung ins Deutsche mehr als nur Freude bereitet, und wenn sich davon auch nur etwas dem Leser mitteilt (und er sich gar entschließen sollte, für 18 Euro auch noch das Buch zu kaufen), so haben auch diese Texte ihr Ziel mehr als erreicht.

 

Die Gedichte, ein Exzerpt aus mehr als 200 teils himmelstürmend euphorischen, teils abgrundtief larmoyanten Laien-Poemen, sind das sensibelste und deshalb heikelste Kapitel, denn in ihnen gebe ich – freilich ebenfalls durch Sprache0 distanziert, aber dennoch – sozusagen intimste Gedankengänge preis. Doch andererseits auch: Wo könnte man ehrlicher sein? Und wenn es an der einen oder anderen Stelle ein bißchen hinkt, wenn nicht gar humpelt – mitnichten habe ich auch vor, einem Friedrich Hölderlin oder einem Novalis den Rang streitig zu machen, sondern stelle auch hier nichts als ein paar vielleicht über-persönliche Worte aus und vor.

 

Die „Vermischten Sprüche und Meinungen“ schließlich als eine Art Appendix (Liebhaber werden auf Anhieb erkennen, woher der Titel geklaut ist) sind – ohne sie hybride mit Lichtenberg auch nur ansatzweise auf eine Stufe stellen zu wollen – so etwas wie meine persönlichen „Sudel-Bücher“; heißt: Gedanken, Einfälle und – in den „Angeknaxten Gedanken“ – bisweilen auch nur schlichte Kalauer, an denen ich in dem Moment, da sie mich hinterrücks überfallen haben, meine feixende Freude gehabt habe. Weiß Gott keine neuen „Aphorismen zur Lebensweisheit“ in der eher ernsteren und besonders sorgfältig gesiebten Abteilung und auch kein neues „Pooh‘s Corner“ in der Kicher-Sektion, liegt es durchaus im Bereich der denkbaren Möglichkeiten, daß der eine oder andere – kaputte wie halbwegs heile – Gedanke auch in dem einen oder anderen Kopf außer dem meinen auf Widerhall stößt. Und damit hätte er seinen Zweck sogar schon übererfüllt.

 

Und wem all das letztlich dann doch viel zu viel Wort ist, der kann auch einfach nur Bilder kucken – mit dem Fotografieren bin ich seit einiger Zeit erneut einer Leidenschaft erlegen, die mich in den 80er und 90er Jahren schon einmal ein gutes Jahrzehnt auf Trab gehalten hatte: Den kompletten Flickr-Stream gibt es hier, und wer nicht so viel Geduld hat, der kann sich auch einfach nur die Greatest Hits reinziehen. Das Ranking dort resultiert im Übrigen nicht aus meinem persönlichen Geschmack, sondern der Zahl der „Likes“, was jedoch mit minimalen Abweichungen auch mit meinen eigenen Präferenzen übereinstimmt. Viel Spaß damit!

 

Jörg Alisch

 

PS: Jubelstürme und schriftliche Begeisterungsschreie sowie eventuelle Heiratsanträge werden gern entgegengenommen unter

JoergAlisch (at) gmx.net

           

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